Jozef Muhovic

Druckgrafik

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5 Kurstage


Kursbeitrag: € 390,00

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Druckgrafik

Klassenprogramm

Wozu Druckgrafik in postmoderner Zeit ?

Es existiert eine Art postmoderne Antwort auf die Frage, wozu Druckgrafik in postmoderner Zeit, obwohl sie "nicht mehr die dominante Form der Kommunikation ist und schwer mit anderen reproduktiven und audiovisuellen Medien Schritt hält". Doch ist dies, meiner Meinung nach, nicht die ganze Antwort. Diese, die aus dem "Event", das sich ereignet und vergeht, "ein Opium für Intellektuelle" unserer Zeit gemacht hat, hat im Zusammenhang mit der Druckgrafik etwas Wichtiges vergessen - nämlich dass sie, wenn sie sich "ereignet", bleibt.

Und was bleibt mit ihr in der Kultur ?

Technologisch und geschichtlich betrachtet läge die Antwort auf der Hand: viele relativ preisgünstige vervielfältigte Abdrucke einer bestimmten Gestalt bzw. eines Bildes, die den Hauch von Unikaten haben. Doch die neuzeitlichen Reproduktionstechniken haben sie hinsichtlich Geschwindigkeit und Auflagehöhe längst überholt. Im reproduktiven Sinne ist die Druckgrafik in der Postmoderne nicht wettbewerbsfähig. Wettbewerbsfähig ist sie aber in einer anderen Hinsicht. ihr "Point" besteht heute nicht darin, viele Abdrucke zu hinterlassen, sondern Qualtitäten von Formen und der in ihnen realsierten Ideale.

Die heutige Zeit verherrlicht alles, was mit den Begriffen Kommunikation und Information verbunden ist. Doch das Problem besteht schon längere Zeit nicht mehr darin, was den Menschen informieren kann, sondern darin, was ihn formieren kann: durch tiefe Einblicke und hohe Formstandards, die - mit Iris Murdochs Worten - "pure Freude am unabhängigen Bestehen von etwas Ausgezeichnetem", bieten. Die moderne Rhetorik des Progresses und die postmoderne Rhetorik des Prozesses übersetzen die Welt in eine Sprache deklarierter oder promovierter Ideale, die Druckgraphik hingegen, wenn ihr dies gelingt - und manchmal gelingt es ihr, übersetzt die Welt in eine Sprache, die fähig ist, Ideale in prototypen Formen zu inspirieren, hervorzubringen und zu pflegen, in denen der Mensch intensiv sich selbst in der Welt und die Welt in sich selbst erlebt. Diese Formen scheinen uns häufig geheimnisvoll, weil sie oberflächlichen Mustern der Fantasie ausweichen, während die Formen der "Events" in der Regel nichts Geheimnisvolles an sich haben, da sie eine vertraute und reich bevölkerte Abkürzung der persönlichen oder trendischen Träumerei ist, wie Murdoch sagen würde.

Ein graphisches Blatt ist eine kleine und fragile Sache. Doch das, was mit ihm in die Kultur kommt, ist keine kleine Sache. Insbesondere wenn die Kultursonne, wie Karl Kraus sagte, niedrig steht und selbst unmerkliche Erscheinungen dramatisch lange Schatten auf die Welt werfen können.


Von der Matrize zum Abdruck und auch zurück

Die Arbeit im Grafikatelier wird dem Verständnis, der praktischen Erprobung und der künstlerischen Anwendung der Tiefdrucktechniken - Kaltnadelradierung, Mezzotinto, Ätzradierung, Reservage, Aquatinta, Weichgrundätzung, Reliefdruck u.s.w. - gewidmet werden. Zunächst wird ein zeichnerischer Plan (eine Skizze) für das grafische Blatt hergestellt. Dann wird dieser zeichnerischen Idee eine angepasste Matrize durchgeführt. Danach wird endlich die Matrize im Druckverfahren in der Form eines Probedruckes verifiziert. Die Probedruckverifizierung könnte aber die Mängel entdecken, die korrigiert werden sollten, oder es könnten neue grafische Möglichkeiten, Ideen, Strategien und Richtungen aufgezeigt werden im Lichte derer die Matrize und das grafische Blatt auf einem, der ursprünglichen Idee noch besser angepassten Niveau weiterverarbeitet und finalisiert werden könnten. Generelles Ziel dieses planenden und korrektiven Strebens wird aber sein: originelle Unikate künstlerische Qualitäten (prototype Formen) zu schaffen, die es sich abzudrucken lohnt.

Das Studium wird individuell organisiert werden, so dass es mit dem grösstmöglichen Maß den spezifischen Vorkenntnissen, Interessen und Ausdrucksaffinitäten der Kursteilnehmer angepasst wird.

 

Maximale Teilnehmer/-innenanzahl: 7nbsp]

 

Materialliste

 



Mag. art. Jozef Muhovic


wurde 1954 in Lenart bei Gornji Grad in Slowenien geboren.
Er studierte Malerei, Kunstgraphik, Kunstwissenschaft und Philosophie an der Universität Ljubljana. Er promovierte 1986 in Philosophie und habilitierte sich 1987. In den Jahren 1993-1996 absolvierte er im Rahmen eines Forschungsstipendiums der Alexander von Humboldt-Stiftung eine Postdoktorausbildung an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg (Prof. Wolfgang Welsch) und an der Freien Universität in Berlin (Prof. Albrecht Wellmer). Derzeit ist er als ordentlicher Professor für Kunstlehre und Kunstwissenschaft an der Akademie für bildende Kunst und Design an der Universität Ljubljana tätig.

Forschungsschwerpunkte:

Malerei, Kunstgrafik, Kunstwissenschaft, Ästhetik, Kunstlehre,; Kunstterminologie, Theorie des Stils in der bildenden Kunst, philosophische Aspekte der formalen Transformation in der zeitgenössichen Kunst.

Wichtigste Publikationen:

Vstop v likovno logiko (Einstieg in die formenerzeugende Logik der bildenden Kunst; Ljubiljana: Akademija za likovno umetnost, 1986), Umetnost in religija (Kunst und Religion, Ljubljana: Logos, 2002), Über das Geistige in der Kunst - zum zweiten Mal (mit G.Kocijancic und V. Snoj; Münster usw.: LIT Verlag 2010), Slikarstvom na stiri oci (Mit der Malerei unter vier Augen, Ljubljana: Research institute of the Academy of Fine Arts, 2012), Leksikon likovne teorije (Wörterbuch der Kunstterminologie, Celje-Ljubljana: Celjska Mohorjeva druzba, 2015)

 
Künstlerische Tätigkeiten:

Seit 1981 hat Prof.Dr. Josef Muhovic seine künstlerische Tätigkeit auf 33 Einzelausstellungen ( Ljubljana, Celje, Maribor, Novo Mesto, Wien, Berlin, Venedig, Budapest, Zagreb) und auf 251 Gruppenausstellungen im In- und Ausland präsentiert.

Werke in den Kunstsammlungen:

Ljubljana (Kunstsammlung der Slowenischen Akademie der Wissenschaften an der Kunst; Kunstsammlung der Universität Ljubljana); Novo Mesto (Grafische Sammlung der Biennale der slowenischen grafik; grafische Sammlung des Gymnasiums Novo Mesto); Graz (Landesmuseum Joaneum); Dunaj (Graphische Sammlung Albertina; Kleine Galerie; Künstlerhaus); Berlin (Kunstbibliothek - Graphische Sammlung); Maastricht (Exibition and Congress Centre); Passau (Museum moderner Kunst - Stiftung Wörlen); Phoenix/USA (Northern Arizone University - The Graphic Arts Collection), Budapest (Grafische Sammlung Mücsarnok / Kunsthalle).

http://www.aluo.uni-lj.si/zaposleni/jozef-muhovic/










Materialliste:
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mitzubringen sind

  • Zinkplatten, verschiedene Größen – die größte A1 Format
  • Grafiknadel
  • Grafikfarbe
  • Grafikpapier
  • Holzplatte und ein Messer für den Holzschnitt (nach Wunsch)
  • Skizzenblock und Stifte